Wie treffe ich "richtige" oder schwierige Entscheidungen? 10 Tipps, wie es leichter gelingen kann.

29.10.2021

Wann hatten Sie das letzte Mal eine schwierige Entscheidung zu treffen? Erinnern Sie sich noch an das ungute Gefühl, nicht zu wissen, wie Sie sich entscheiden sollen? Das ewige Nachdenken und Abwägen. Zu glauben, "jetzt hab ich´s", um im nächsten Moment wieder zu zweifeln? So geht es vielen Menschen von uns. So wie (fast) alles im Leben ist auch die Entscheidungsfindung ein Prozess, den man beeinflussen kann. Wie genau erfahren Sie hier.

Manche Entscheidungen treffen wir leicht, ohne viel überlegen zu müssen. Über Lebensentscheidungen, wie den Partner, die Wohnung, den Jobwechsel, Kinderwunsch und dergleichen zerbrechen wir uns oft länger den Kopf. Die Entscheidungsfähigkeit ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch von unterschiedlichen Faktoren ab. Wie zum Beispiel der generellen Sicht auf die Welt und deren Dinge. Ist man eher ein problemorientierter oder lösungsorientierter Mensch, usw. Auch die Prägungen unserer Ursprungsfamilie und die persönliche Einstellung zu einem Verlust spielen neben den Hormonen und Gefühlen eine Rolle.

Manchmal sehen oder spüren wir bei einer Entscheidung eher den Verlust (wir schließen ja andere Optionen mit einer Entscheidung aus), als uns darüber zu freuen, dass wir endlich eine Entscheidung getroffen haben. Viele Menschen haben Angst die "falsche" Entscheidung zu treffen oder suchen oft monatelang nach der "richtigen" Entscheidung. Gibt es die denn überhaupt?

Verstand und Bauchgefühl

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen werden Entscheidungen nicht nur rational getroffen, sondern auch die Gefühle haben eine sehr große Bedeutung bei der Entscheidungsfindung und sollten auf jeden Fall mit einfließen.

Ebenso wie unser Unterbewusstsein für den Entscheidungsprozess wichtig ist, da es komplexe Informationen sehr gut verarbeiten kann, ist auch unser Verstand darin involviert. Unser Verstand muss viele andere alltägliche Herausforderungen oder Aufgaben erfüllen, vor allem wenn wir im Stress sind. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass auch Hormone bei der Entscheidungsfindung mitwirken. So sorgt zum Beispiel das männliche Sexualhormon Testosteron lt. Forschungen für den Umstand, sich risikofreudiger zu entscheiden. Nachfolgende Tipps helfen Ihnen vielleicht bei Ihrer nächsten Entscheidungsfindung.

Tipp 1: Pro- und Kontra Liste

Ein altes aber oft sehr hilfreiches Tool, um rasch und übersichtlich seine Gedanken zu ordnen und zu visualisieren, ist die Pro- und Kontraliste. Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand, zeichnen Sie eine einfache Tabelle mit den Überschriften + und - und legen Sie los. Einfach wertfrei aufschreiben, welche positiven Merkmale Ihre Entscheidung hätte und welche negativen Merkmale. Was spricht dafür und was dagegen? Wenn mehrere Optionen zur Auswahl stehen, wiederholen Sie die Übung mit jeder Option.

Ganz besonders wichtige Punkte können Sie markieren. Wenn Sie z.B. wissen, dass Sie bei einem Jobwechsel auf jeden Fall keine Gehaltseinbußen haben möchten. Dann stünde auf der Pro-Seite "um xy Euro mehr Gehalt" oder "Gehalt bleib gleich".

Rational gesehen, gewinnt die Seite mit den meisten Begriffen. Seien Sie jedoch ehrlich zu sich selbst. Wenn Sie eher Punkte dagegen suchen als dafür, haben Sie vielleicht die Entscheidung unterbewusst bereits getroffen.

Der Vorteil der Pro-Contra-Liste ist es auch, dass Sie sich auch schon mit Ihren Gefühlen befassen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie auf die rationale Aufzählung blicken? Wie fühlt es sich an?

Tipp 2: Den Bauch zu Wort kommen lassen

Wie lassen Sie am besten Ihren Bauch zu Wort kommen? Ganz "einfach", indem Sie auf Ihre Gefühle achten. Einfach steht deshalb unter Anführungszeichen, da es Menschen nicht immer so leicht fällt, Ihre Gefühle wahrzunehmen oder sie richtig einzuordnen. Es kann helfen, die verschiedenen Optionen nacheinander zu visualisieren.

Versetzen Sie sich in die Lage, als hätten Sie sich schon entschieden. Wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an? Wie würde es Ihnen am nächsten Tag, in einer Woche, in einem Monat oder nach einem Jahr gehen?

Sind Sie in zwei Jahren froh, diese Entscheidung getroffen zu haben? Wie fühlen Sie sich langfristig mit dieser Entscheidung? Kann es sein, dass es sich jetzt gerade gut anfühlt, aber in 2 Jahren nicht mehr, oder umgekehrt?

Das Bauchgefühl ist auch unter dem Begriff Intuition bekannt. Haben Sie gelernt auf Ihre Intuition zu hören? Unter dem Mikroskop betrachtet bedeutet Intuition auch, dass unser Gehirn auf bereits vergangene Situationen zurückgreift und diese abgleicht. Das bedeutet natürlich auch, dass die Emotionen abgeglichen werden - hatten sie damals eine negative oder positive Emotion? Natürlich ist es nicht ganz so einfach und unsere Intuition wird durch verschiedenste Faktoren aufgehoben oder verändert. Ganz außer Acht lassen sollten Sie Ihre Intuition aber auf jeden Fall nicht.

Oftmals beschert uns nämlich der Verstand immer neue Faktoren gegen oder für eine Option und dies versetzt uns dann wiederum in Stress und unter Druck. Manchmal ist es besser, das Gefühl entscheiden zu lassen.

Tipp 3: Erzählen Sie es anderen - handeln Sie aber unabhängig

Durch das Gespräch mit Freunden oder Bekannten bekommen wir oftmals andere Sichtweisen aber natürlich auch Meinungen. Das Gespräch kann helfen ein Gefühl für seine eigene Entscheidung zu entwickeln. Wenn Sie in "Verteidigungshaltung" gehen, kann dies auch schon auf eine unterbewusste Entscheidung hindeuten.

Wenn Sie unabhängig von Meinungen eine Entscheidung treffen, erhöht dies meist die Möglichkeit, dass sie längerfristig glücklicher damit sind und auch besser hinter Ihrer Wahl stehen können. Denken Sie genau über Ihre Wünsche, Interessen und Ziele nach! Natürlich beeinflussen unsere Entscheidungen ganz oft andere Menschen in unserem Umfeld. Eine Rücksichtnahme auf die Menschen in Ihrem Umfeld ist natürlich wichtig! In einer Paarbeziehung sollten große Entscheidungen immer gemeinsam getroffen werden und nicht allein. Sprechen Sie offen und ehrlich über Ihre Gedanken, Gefühle und Ängste. Fragen Sie sich aber auch ob Sie die Entscheidung für sich selbst oder für Ihre Mitmenschen treffen.

Tipp 4: Hinterfragen Sie die Optionen - welches Ziel haben Sie?

Gibt es wirklich nur diese eine Option oder diese zwei oder sind da doch noch mehrere Möglichkeiten? Gehen Sie auf die Suche. Denken Sie um die Ecke. An erster Stelle steht allerdings die Zieldefinition, denn wer ein klares Ziel vor Augen hat ist motivierter und kann leichter entscheiden. Welche Wünsche und Vorstellungen haben Sie? Wofür begeistern Sie sich? Was möchten Sie in Ihrem Leben erreichen? Was ist Ihnen wichtig? Setzen Sie sich auch mit Ihren Werten auseinander. Was ist Ihnen wichtig in Ihrem Leben? Welche Werte haben Priorität für Sie?

Schon die Seefahrer wussten "Nur wer weiß, wo er hinsegeln will, setzt die Segel richtig." (Jürg Meier). Die "richtige" Entscheidung ist häufig die, die Sie ihrem Ziel näherbringt.

Tipp 5: Verlassen Sie Ihre Komfortzone

Alles was wir kennen und uns vertraut ist fühlt sich meistens gut an. Neues und Unbekanntes macht uns meistens Angst oder verunsichert uns. Das liegt auch an unserem Hormon Dopamin, dass dem Gehirn zur Kommunikation der Nervenzellen untereinander dient, es ist also ein Nervenbotenstoff (Neurotransmitter). In bestimmten "Schaltkreisen" vermittelt er dabei positive Gefühlserlebnisse ("Belohnungseffekt"), weswegen er - so wie auch Serotonin - als Glückshormon gilt.

Das heißt wenn wir auf Vertrautes zurückgreifen, wird das Glückshormon ausgeschüttet. Wenn uns die Pizza in dem Stammlokal schmeckt, weshalb sollten wir denn ein anderes Lokal ausprobieren? Wir werden wahrscheinlich erst etwas Neues probieren, wenn sich etwas Gravierendes geändert hat. Das Rezept oder die Firma in Konkurs gegangen ist oder ähnliches.

Seien Sie sich also des Dopamins bewusst und versuchen Sie etwas rauszukommen aus Ihrer Komfortzone. Manchmal erweisen sich Entscheidungen vielleicht als falsch, doch vielleicht hat gerade diese vermeintlich "falsche" Entscheidung eine Tür mit neuen Möglichkeiten in Ihrem Leben aufgestoßen, an die Sie vielleicht sonst nie gedacht hätten.

Tipp 6: Suchen Sie Kompromisse und gehen Sie sie ein

Wir Menschen denken sehr oft in festgefahrenen Kategorien. Gut oder böse. Freiheit oder Sicherheit. Schwarz oder weiß. Wir vergessen oft, dass es ganz viel dazwischen gibt. Ganz viele Graustufen zum Beispiel. Suchen Sie Kompromisse zwischen Ihren Entscheidungsmöglichkeiten. Oft machen unsere Bewertungen eine Entscheidung erst schwierig. Schließt denn zum Beispiel die Sicherheit die Freiheit wirklich aus? Sie können sich auch für beides entscheiden und je nach Ihrem Wunsch oder nach Ihren Bedürfnissen unterschiedlich bewerten.

Tipp 7: In guter Stimmungslage entscheiden

Jeder Entscheidung, die wir treffen, haftet auch ein Gefühl an. Wenn Sie mies gelaunt sind und eine Entscheidung treffen, werden Sie später diese eher anzweifeln, als wenn Sie diese in guter Stimmung getroffen haben.

Unsere Gedanken und Gefühle bestimmen unser Handeln. Eine negative Stimmung begünstigt daher auch eher negative Entscheidungen. Beobachten Sie sich selbst mal, wie sie sind, wenn sie schlecht gelaunt sind. Essen Sie in dieser Phase gesünder oder ungesünder? Trinken Sie mehr oder weniger Alkohol? Wie gehen Sie mit anderen Menschen und sich selbst um, wenn Sie schlecht gelaunt sind? Wichtige Entscheidungen sollte man in der Regel stressfrei und gut gelaunt treffen.

Stressfrei deshalb, da unser Gehirn in Stresssituationen anders reagiert. Natürlich kann man lernen in Stresssituationen wichtige Entscheidungen zu treffen. Dies erfordert jedoch Übung und die haben die meisten Menschen von uns nicht, da wir nicht alle Chirurgen, Feuerwehrfrauen oder Notfallsanitäter sind. Diese Berufe müssen oft in der Sekunde Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod entscheiden, sie wurden und werden aber auch darauf trainiert.

Falls Sie jedoch in einer für Sie stressigen Situation eine Entscheidung treffen müssen, atmen Sie zuerst mal tief durch. Mindestens drei Mal und konzentrieren sich auf ein langsames und bewusstes Atmen.

Tipp 8: Den Schlaf oder die Ablenkung für sich arbeiten lassen

Wenn der wache Verstand nicht mit anderen Dingen beschäftigt ist, kann unser Unterbewusstsein in Ruhe alle Informationen und ihre getroffene Entscheidung verarbeiten, denn es ist der Meister und die Meisterin in der Informationsverarbeitung. Lassen Sie es die Arbeit in Ruhe tun und schlafen Sie, wenn möglich, nochmal über Ihre Entscheidung.

Manchmal hilft auch eine Ablenkung, damit die ganzen Informationen, Eindrücke und Gefühle zu den verschiedenen Optionen verarbeitet werden können. Was tut Ihnen gut? Ein Kurztrip ins Nachbarland? Treffen mit Freunden? Eine herausfordernde Wanderung?

Tipp 9: Lernen Sie sich selbst zu verzeihen

Verzeihen Sie sich, sollten Sie jemals die "falsche" Entscheidung getroffen haben. Hadern Sie nicht mehr damit, es ist vorbei. Sie hatten damals sicher gute Gründe für Ihre Entscheidung. Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer klüger. Versuchen Sie Ihre Gründe von damals nachzuvollziehen und seien Sie gnädig mit sich selbst. Gehen Sie auf die Suche nach den Faktoren, die Sie damals beeinflusst haben und lösen Sie sich davon.

Tipp 10: Externe Unterstützung - für eine meinungs- und wertefreie Entscheidungsfindung

Und wenn alle Tipps nicht helfen, tun Sie sich etwas Gutes und gönnen Sie sich ein Coaching. Als Außenstehende kann und werde ich Ihnen Ihre Entscheidung nicht abnehmen, aber ich kann Ihnen dabei helfen, dass es Ihre für Sie "richtige" und eigene Entscheidung wird.

Ich freue mich auf Sie!

Herzlichst Nadja Mack-Foraschik