Trennung / Scheidung - was können Sie selbst für sich tun?

31.07.2021

In diesem Blog möchte ich Ihnen Tipps oder besser gesagt Empfehlungen geben, was  Sie selbst für sich tun können, um die Verarbeitung der Trennung zu unterstützen und so die Krise hinter sich zulassen und wieder positiv in Ihre Zukunft blicken können. Ich bin mir sehr sicher, das Meiste davon wissen eh schon.

Das Wichtigste zuerst: sorgen Sie gut für sich selbst! Verlassen zu werden oder jemanden zu verlassen ist (fast) immer ein sehr schmerzhafter Moment, eine Krise in unserem Leben. Egal ob Kinder im Spiel sind oder nicht. Wenn eine Partnerschaft zerbricht - aus welchen Gründen auch immer - heißt es erstmal, diese zu verarbeiten.

Auch wenn es abgedroschen klingt: sprechen Sie darüber. Wenden Sie sich an Freunde oder Familienangehörige oder holen Sie sich externe Unterstützung. Lassen Sie Ihre Gefühle zu und machen Sie sich selbst keinen Druck. Eine Trennung zu verarbeiten, braucht Zeit!

Geht es Ihnen gut, geht es auch den Kindern gut.

Gerade wenn Sie Kinder haben, ist es enorm wichtig, dass Sie auch selbst gut für sich sorgen. Kinder spüren mehr, als uns Erwachsenen oft bewusst und auch lieb ist. Wenn Sie sagen, Ihnen geht's gut und dies aber nicht der Wahrheit entspricht, weil Sie eigentlich zornig oder traurig sind, fühlt Ihr Kind dies. Kinder reagieren unterschiedlich darauf. Einige Kinder beginnen dann, auf den Elternteil aufzupassen - was ganz und gar nicht die Aufgabe des Kindes ist! Andere wiederum glauben, ich darf jetzt meine Mama oder meinen Papa nicht noch mehr belasten und verdrängen die eigenen Gefühle.

Ganz vielen Kindern ist eines gemeinsam (je nach Alter natürlich): sie trauen mit der Zeit der eigenen Wahrnehmung nicht mehr. Das Kind HÖRT ja schließlich von Ihnen es passt alles, aber die kindliche Wahrnehmung und das FÜHLEN ist eine andere und somit kann es nur zum Schluss kommen "mit mir ist etwas falsch". Dies führt dazu, dass es seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertraut und hat auch Auswirkungen auf den eigenen Selbstwert - auch noch als erwachsene Person.

Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung - auch bei einer Trennung.

Schlussendlich führt jeder Weg der Trauer zur Akzeptanz. Es gibt verschiedenste Trauermodelle in der Psychologie. Das wohl bekannteste sind die 5 Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross. Ursprünglich beschreibt es den Trauerprozess von Sterbenden. Die Dynamik lässt sich aber auch sehr leicht auf den Verarbeitungsprozess nach einer Trennung umlegen. Bedenken Sie bitte, das ist nur eine mögliche Variante wie es ablaufen kann. Menschen sind verschieden. Zu trauern ist etwas ganz Individuelles. Jeder Mensch trauert anders und die einzelnen Phasen dauern bei jedem unterschiedlich lange und sind auch nicht immer linear. In einem meiner nächsten Blogs können Sie mehr darüber lesen.

Ihre Gedanken steuern Ihr Handeln!

Unsere Gedanken haben einen wesentlich größeren Einfluss auf unser Leben und auf unser Glücksempfinden, als vielen von uns bewusst ist. Mich eingeschlossen. Als ich mich im Jahr 2008 getrennt habe, wusste ich leider vieles noch nicht, was ich heute weiß. Dadurch hat mein Leid länger gedauert, als es hätte sein müssen. Und ich habe viel zu lange gewartet, bis ich bewusst gehandelt habe. Erst mein Körper hat es geschafft, dass ich aufgehört habe meine Gefühle zu verdrängen und mich ihnen wirklich gestellt habe, in dem er mir eine Menge Symptome beschert hat. Aber nun zu den konkreten Tipps, damit Sie es besser machen als ich damals. Die Empfehlungen gelten im übrigen für jede Krise im Leben, nicht nur für eine Trennung oder Scheidung.

Empfehlungen

  • Tun Sie Dinge, die Ihnen guttun. Was hat Ihnen sonst in schwierigen Zeiten geholfen? Wodurch schöpfen Sie Kraft? Sei es nun das gute Essen mit Freunden oder den Kurs, den Sie immer schon besuchen wollten.
  • Bewegung an der frischen Luft. Ob allein oder in Gesellschaft. Versuchen Sie bewusst die Natur zu genießen und lassen Sie das Handy, Handy sein. Betätigen Sie sich sportlich, denn beim Sport wird das Glückshormon Serotonin produziert.
  • Sorgen Sie für Entspannung - körperlich und geistig. Schlechte Gefühle gehen oft mit körperlicher Anspannung einher. Haben Sie Kreuz-, Kopf- oder Bauchschmerzen? Versuchen Sie Yoga oder Entspannungsmusik. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson kann ich sehr empfehlen. Es gibt ganz viele YouTube-Videos dazu.
  • Schlafen Sie ausreichend und viel. Wir unterschätzen oft, dass Schlaf eine wichtige Ressource sein kann. Der Schlaf ist auch eine Pause für Ihr Gedanken-Karussell. Wenn Sie nicht mehr schlafen können, ist das ein ernstzunehmendes Anzeichen, das es abzuklären gilt. Der Schlaf und ausreichend Ruhe hilft Ihrem Körper mit der neuen Situation besser umzugehen.
  • Nehmen Sie alle Gefühle an und lassen Sie sie zu. Gerade auch die unangenehmen wie zum Beispiel die Trauer oder die Selbstzweifel. Viele Menschen wollen diese Gefühle nicht spüren und Sie verdrängen sie, spalten sich von ihren Gefühlen ab. Nur weil Sie sie nicht fühlen, bedeutet dies aber nicht, dass sie nicht da sind. Gerade die unangenehmen Gefühle wollen gesehen werden und suchen sich ihren Weg. Durch das Verdrängen werden diese Gefühle oft nur stärker und entladen sich dann bei einer banalen Kleinigkeit in Form eines Wutanfalles, der dann wiederum meist Unbeteiligte trifft und diese verletzt. Gerade Kindern machen Wutanfälle Angst und haben meistens sehr negative Auswirkungen auf sie. Verwandeln Sie Ihre Wut in eine positive und proaktive Kraft. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gefühle!
  • Versuchen Sie die Situation zu akzeptieren, wie sie gerade ist. Widerstand dagegen kostet viel Energie und führt oft zu noch mehr Leid. Tappen Sie nicht in die Hoffnungsfalle. Zu akzeptieren bedeutet nicht sich zu ergeben, sondern die Verantwortung zu übernehmen. Versuchen Sie das Beste aus der Situation zu machen.
  • Versuchen Sie die Situation so objektiv wie möglich zu betrachten. Oftmals sehen wir in Ausnahmesituationen nur noch das Problem und unsere Emotionen überrollen uns so sehr, dass wir die Lösung gar nicht mehr sehen. Abstand zur Situation kann dabei helfen. Sei es nun der räumliche oder auch der innere Abstand. Sprechen Sie vor allem mit Freunden über Ihre Situation, bei denen Sie sicher sein können, dass sie Ihnen auch Unangenehmes sagen würden, was Sie vielleicht in dem Moment nicht hören möchten, Sie aber weiterbringen wird. Die Sicht von anderen Personen, die nicht emotional darin verwickelt sind, hilft alles wieder richtig einzuordnen.
  • Lenken Sie sich ab. Permanentes Grübeln und die Frage nach dem "Warum" bringt Sie nicht weiter. Tun Sie sich ganz viel Gutes! Gehen Sie gut Essen oder buchen Sie einen Termin beim Frisör oder der Masseurin.
  • Lassen Sie los. Trennen Sie sich von Erinnerungsstücken. Das heißt jetzt nicht, dass Sie alles gleich entsorgen sollen. Es hilft Ihnen aber nicht, wenn Sie sich immer das Bild Ihres Ex-Partners, der Sie verlassen hat, ansehen und in schönen Erinnerungen schwelgen. Loszulassen bedeutet nicht etwas fallen zu lassen, sondern es bedeutet etwas sein zu lassen.
  • Suchen Sie einen Sinn in der Trennung. Was könnte das Positive sein, an der Trennung? Welche Ziele können Sie jetzt verwirklichen, die vielleicht in der Beziehung zu kurz gekommen sind? Was können Sie aus der vergangenen Beziehung positives lernen? Was möchten Sie in der nächsten Beziehung anders oder "besser" machen? Was war Ihr persönlicher Anteil an der Trennung? 
  • Orientieren Sie sich neu - denken Sie zukunftsorientiert. Was wollten Sie immer schon machen? Jetzt ist die Zeit, um neue Pläne zu schmieden und diese in die Tat umzusetzen.
  • Genießen Sie jeden glücklichen Moment ganz bewusst. Wenn wir uns in einer Krise befinden, sehen wir oft nur das Schwere und was uns nicht gelungen ist. Fokussieren Sie sich mindestens einmal am Tag auf das Positive in Ihrem Leben. Schreiben Sie jeden Abend zumindest 3 Dinge auf, die heute gut gelaufen sind. Wofür in Ihrem Leben sind Sie dankbar?
  • Lassen Sie sich Zeit und setzen Sie sich nicht selbst unter Druck. Alles braucht seine Zeit. Eine Trennung oder Scheidung - generell eine Krise im Leben benötigt Zeit.
  • Holen Sie sich professionelle Unterstützung. Wenn alle Tipps nicht weiterhelfen oder Sie nicht wissen, wie Sie mit Ihren Gefühlen umgehen sollen, schämen Sie sich nicht, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Egal ob es sich dabei um eine Beraterin, einen Therapeuten, die Männerberatungsstelle, die Shiatsu-Praktikerin oder das Seelsorgetelefon handelt. Wichtig ist, dass Sie sich wohl fühlen und dass es Ihnen hilft, diese Krise zu bewältigen.

Falls Sie möchten, können Sie sich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch an mich wenden.


Ein Satz, der mir in einer beruflichen Krise sehr geholfen hat, ist aus einem Interview mit dem Kinderbuchautor Thomas Brezina. Er wurde gefragt, ob er ein Lebensmotto hätte. Seine Antwort fand ich damals in meiner beruflichen Krise sehr passend:

Auch. Das. Geht. Vorbei.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute!
Nadja Mack-Foraschik