Die 5 Entwicklungsphasen einer Beziehung- in welcher befinden Sie sich gerade?

31.08.2021

Kennen Sie den Spruch "Beziehung bedeutet tägliche Arbeit"? Fast jeder Mensch hat diese Äußerung wahrscheinlich schon mal gehört oder gelesen. Doch was genau bedeutet "Beziehung" denn eigentlich? In diesem Blog dreht sich alles um die Liebes-/Paarbeziehung und die 5 typischen Phasen einer Beziehung.

Laut Definition bedeutet Be·zie·hung (Substantiv, feminin) die Verbindung zu jemandem oder etwas. Es gibt politische, kulturelle, geschäftliche, private, zwischenmenschliche, zwischenstaatliche, internationale Beziehungen. Und auch ein wechselseitiges Verhältnis und einen inneren Zusammenhang. Die Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage. Klingt jetzt nicht sehr romantisch, ich weiß. So ist das manchmal mit Definitionen. Mein Fokus liegt auf den zwischenmenschlichen Beziehungen - in welcher Form auch immer.

Handeln, Denken und Fühlen - von Personen aufeinander bezogen

Eine Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass das Handeln, Denken und Fühlen von Personen aufeinander bezogen ist. Sie meint damit die eigentlichen Interaktionen zwischen Personen in jeglicher Hinsicht. An dieser Stelle sei erwähnt, es gibt verschiedenste Formen von Liebesbeziehungen. So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die möglichen Beziehungstypen (monogame Beziehungen, offene Beziehungen oder Paarbeziehungen, die aus zwei Personen bestehen oder ebenso Beziehungen mit mehreren Personen (Polyamorie), "feste" Beziehungsformen wie z.B. die Ehe und lose Beziehungsformen wie etwa "Freundschaft Plus" oder eine platonische Beziehung). Auf die Erklärungen verzichte ich an dieser Stelle, werde es aber in den nächsten Wochen in irgendeiner Form nachholen.

Paare haben noch nie so lange zusammengelebt wie heutzutage. Früher waren es auch oft Zweckgemeinschaften (natürlich nicht nur). In der heutigen Zeit gewinnt die Partnerschaft in der Beziehung immer mehr an Bedeutung. Die Liebe ist ein Entwicklungsprozess mit Höhen und Tiefen.

Eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist geprägt durch

  • die eigene Wertehaltung und Erziehung der Herkunftsfamilie,
  • die eigene Persönlichkeit, Einstellungen, Kultur und Vor-Beziehungen,
  • das eigene Rollenverständnis in der Beziehung,
  • die vorhandene Zeit für die Paarebene/Partnerschaft und wenn Kinder da sind auch die Elternschaft und
  • die Beziehungskultur.
  • Allen einzelnen Bausteinen voran spielt die Kommunikation und das Konfliktmanagement des Paares eine entscheidende Rolle.

Das bedeutet, dass das Paar im Hier und Jetzt auch immer unterbewusst von der Vergangenheit (individuelle Entwicklung und Paargeschichte), der Gegenwart (berufliche Situation, momentaner Lebenszyklus) und auch der Zukunft (Wünsche und Hoffnungen) beeinflusst und geleitet wird.

Paare (egal ob verheiratet oder nicht) sind lebendige Systeme und können verschiedenste Phasen durchlaufen. Es können Phasen der Stabilität und der Instabilität einander abwechseln. Verschiedenste Lebensabschnitte, unvorhersehbare Lebensereignisse oder Impulse von außen (z.B. Tod oder Krankheit eines Angehörigen, Jobwechsel, Werteveränderungen, Auszug eventuell vorhandener Kinder, etc.) können Paare ins Wanken bringen.

Dies erfordert meist einen Wandel im System und bedeutet auch fast immer Stress für die Partnerschaft. "Altes" geht nicht mehr und "Neues" funktioniert noch nicht. Jede Beziehung entwickelt sich und durchläuft verschiedene Phasen.

1. Die Verliebtheitsphase - Du bist ich

In den ersten drei Monaten entscheidet sich, ob es überhaupt zu einer Weiterführung der Beziehung kommt. Ist dies der Fall trägt man die oft bemühte rosarote Brille, hat Schmetterlinge im Bauch und schwebt auf Wolke sieben. Unsere Partnerin oder unser Partner erscheint uns in dieser Phase perfekt. Wir sind neugierig auf mehr und möchten am liebsten so viel Zeit wie möglich gemeinsam verbringen. Man kann sprichwörtlich nicht die Finger voneinander lassen. Es wird jedem nächsten Treffen entgegengefiebert. Schattenseiten an ihr oder ihm, die gibt es nicht. Sie werden entweder verdrängt oder gar nicht erst wahrgenommen und Hormone und Neurotransmitter tragen ihr Übriges dazu bei. Wir sind meistens "blind vor Liebe".

Die Liebenden genügen sehr oft sich selbst, verschwinden in einer Art eigenen Seifenblase und leben für eine Weile im Gleichklang. Die Grenzen von du und ich verwischen manchmal. Was ich fühle, fühlst auch du, was du denkst, denke auch ich. Verliebt sein ist ein wunderbarer Zustand im Leben, ganz gleich, was vorher war. Das Maß an Geborgenheit, dass man in dieser Phase (noch verbunden mit einer Portion Angst vor Abhängigkeit oder Vereinnahmung) erlebt, taucht in der letzten Phase in voller Freiheit wieder auf.

Diese Verliebtheitsphase ist oft endscheidend für die spätere Stabilität der Partnerschaft, denn hier wächst das Paar zusammen. Die Basis für den gemeinsamen Umgang wird gelegt.

2. Alltagsphase - Du bist anders

In der zweiten Phase verabschiedet sich die Verliebtheit und wir erkennen staunend die Andersartigkeit der Partnerin oder des Partners. Ade rosarote Brille! Plötzlich sehen wir Eigenschaften und/oder Verhaltensmuster, die wir zuvor an unserer Partnerin oder unserem Partner nicht wahrgenommen haben. In dieser Phase nehmen wir oft (unbewusst) unseren Partner genauer unter die Lupe und entdecken immer mehr Verhaltensweisen oder Werte, die uns nicht gefallen.

Oft wird den Beteiligten erst klar, dass es doch signifikante Unterschiede zwischen ihnen beiden gibt. So stellen sich Menschen in dieser Phase die Frage, wie sie sich nur so täuschen konnten. In diesem Moment sehen wir zwar noch das Verbindende, aber auch das Trennende. Kritik zu üben, fällt in dieser Phase leicht und wird auch großzügig und gerne ausgeübt. Oder beide sind so irritiert und verfallen in aberwitzige Annahmen über die Liebe. Man müsse sich mehr anstrengen. Mehr Zeit miteinander verbringen, Ärger runterschlucken. Enttäuschung auf keinen Fall zeigen! Die Angst, den anderen zu verlieren, ist in dieser Zeit oftmals sehr groß. Einer fängt vielleicht an zu klammern, der andere flüchtet in die Freiheit. Es verfestigen sich sehr oft kontraproduktive Kommunikationsmuster und so wundert es wenig: in dieser Phase trennen sich sehr viele Paare oder der Weg führt sie in Beratungspraxen.

Die Beziehung kann jetzt nur noch Bestand haben, wenn sich beide bewusst machen und akzeptieren, dass es die Schmetterlinge im Bauch nie mehr geben wird. Oft glauben wir, dass es jetzt mit der Liebe vorbei sei, doch genau das Gegenteil ist der Fall: Erst wenn die Verliebtheitsphase vorbei ist, beginnt die wahre Liebe. Der Grund dafür ist, dass wir erst jetzt anfangen unseren Partner so zu sehen, wie er wirklich ist. Da auch wir nicht frei von Fehlern und Macken sind, liegt die Aufgabe jetzt darin, Kompromisse eingehen zu können und unseren Partner so zu akzeptieren, wie er ist. Sich selbst weiterzuentwickeln und gemeinsam einen Weg zu finden, mit der Andersartigkeit seiner Partnerin oder seines Partners umzugehen.

3. Umerziehungsphase - Du bist nicht richtig

Es beginnt eine Desillusionierung und mit den damit verbundenen Enttäuschungen beginnt oft ein Kreislauf aus Kritik, Vorwürfen, Gegenvorwürfen und Rechtfertigungen. Manche Paare verfallen leider auch in Macht-, Revier- und/oder vielleicht sogar Konkurrenzkämpfe. Keiner der Beteiligten will klein beigeben und beide das letzte Wort haben. Die andere Person, die uns glücklich machen sollte, ist in Wahrheit ganz anders. Oft tauchen die quälenden Fragen auf "Hat sie uns getäuscht?" "Ist er noch die Richtige?"

Krisen, Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Distanzierung lösen einander ab. Der Begriff Umerziehungsphase gefällt mir besser als der viel zitierte Begriff der "Kampfphase" oder der "Polarisierung", da wir in dieser Phase unseren Partner eben "einfach nur" ändern wollen. Er muss doch nur gleich denken wie ich oder sie muss doch nur gleich handeln wie ich, dann wäre doch alles gut. So einfach ist es natürlich nicht!

Manche Paare bleiben jahrelang auf dieser Stufe stecken, gewöhnen sich daran, dass immer einer unzufrieden ist. Kämpfen. Rechnen auf. Andere trennen sich und wieder andere versuchen es mit einer Paarberatung, weil sie einfach nicht mehr können. Der Kern der Fragen, um die es bei Paaren in dieser Phase immer wieder geht, lautet:

  • Wie nah kann ich dir kommen, ohne mich selbst zu verlieren?
  • Kannst du mich lieben und so akzeptieren, wie ich bin?

Am Ende dieser Beziehungsphase wartet jedoch auf beide etwas Wunderbares und elementar Wichtiges für die zukünftige Beziehung. Beide können den Partner so akzeptieren, wie er ist. Nicht nur mit seinen Stärken - auch mit seinen Schwächen.

4. Die Selbstfindungsphase - Ich bin ich

Spätestens in dieser Phase weiß man genau, wie der Partner oder die Partnerin ist und wie er oder sie tickt. Die Hoffnung, dass der andere einen glücklich macht und einem alle Wünsche von den Augen abliest, ist inzwischen verfolgen. Beide sind an ihre Grenzen gekommen, wissen, was der andere zu geben bereit ist und was nicht. Wissen auch von sich selbst besser, was sie zu geben bereit sind und was nicht. Eine Zeit der Ruhe tritt ein. Beide haben gelernt, Ihre Bedürfnisse zu äußern und auch Grenzen zu setzen. Die Machtkämpfe sind vorbei und man setzt nun die Energie für die eigene Persönlichkeitsentwicklung ein, erlebt sich aber trotzdem als Paar. Die Konzentration auf das eigene Erleben und Empfinden birgt jedoch die Gefahr, den Partner aus den Augen zu verlieren.

Die hohe Kunst ist daher, trotz der größeren Unabhängigkeit mit seinem Partner in Verbindung zu bleiben. Man versucht das Gleichgewicht zwischen dem "Ich", dem "Du" und dem "Wir" zu finden. Gelingt dies nicht, kann aus dem "Ich bin ich" schnell ein "Ich kann auch ohne dich" werden. Trennungen in dieser Phase sind nicht selten.

In dieser Beziehungsphase wächst allerdings auch wieder das Interesse an dem Partner und man lernt viele Seiten seines Gegenübers neu kennen. Das Stück Fremdheit, das einige Paare benötigen, um den jeweils anderen attraktiv zu finden, blitzt wieder auf. Man sieht das "eigenständige Leben" des Partners nicht als Bedrohung oder egoistisches Verhalten, sondern interessiert sich dafür.

5. Du und ich sind wir

In dieser Phase, nach all den vorangegangenen Kämpfen, sind die Liebenden in der Lage, eine ausgewogene Balance zwischen den Bedürfnissen nach Geborgenheit und Bindung sowie dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit zu leben. Jeder ist sich seiner selbst sicherer und die Beziehung kann nun zu dem Zufluchtsort werden, für den man sie zu Beginn der Liebe gehalten hat. Diese letzte Phase der Liebe ist die schönste, tiefste und vertrauteste Beziehungsphase.

Wer hier angekommen ist, kann ohne Masken, Projektionen und Täuschungen von wahrer Liebe sprechen. In dieser Phase hat die Beziehung bereits alle Höhen und Tiefen durchlebt. Es sind viele Dinge passiert, die einen zusammengeschweißt haben. Man hat nicht nur die Stärken und Schwächen des Partners kennengelernt, sondern weiß auch damit richtig umzugehen.

Ein immer wiederkehrender Prozess

Dieser 5-Phasen-Ablauf vollzieht sich immer wieder auch an unterschiedlichen Themen. Wie zum Beispiel in der Kindererziehung, Umgang mit der Herkunftsfamilie, gemeinsame Projekte wie dem Hausbau, usw.

Besonders herausfordernde Zeiten stellen jeweils auch die Übergänge zwischen den Phasen dar. Erschwerend kommt hinzu, dass Partner nicht unbedingt zeitgleich die Phasen durchlaufen. Allein dieser Umstand ist häufig Ursache für Konflikte und Probleme.

Wie lange dauern die einzelnen Phasen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. In einigen Phasen würde man gerne länger stecken als in anderen. Wie lange eine Phase tatsächlich dauert, hat aber auch etwas damit zu tun, wie Sie selbst Einfluss darauf nehmen. So heißt es beispielsweise, dass die Verliebtheitsphase maximal 18 Monate dauert. Es finden sich aber auch wissenschaftliche Texte, in denen von bis zu 3 Jahren die Rede ist.

Ich denke, Sie selbst haben es in der Hand, ob Sie diese Phase verkürzen oder verlängern. Die Annahme, dass Sie jedoch für immer in dieser ersten Phase der Verliebtheit bleiben können, ist allerdings ein Trugschluss. Wenn Sie das glauben, wird Ihre Beziehung scheitern.

In meinem nächsten Blog geht es etwas genauer um die möglichen Herausforderungen in den jeweiligen Phasen und wie Sie das Beste aus jeder Phase herausholen können.

Sollten Sie Unterstützung in einer der Phasen benötigen oder jemanden kennen, dem dies eventuell helfen könnte, bin ich gerne für Sie oder Ihren Partner da. Kontaktieren Sie mich einfach für ein unverbindliches Erstgespräch.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Liebe und Gute für Ihre Beziehung und viel Spaß und Ausdauer und Freude bei der Arbeit daran!

Herzlichst Nadja Mack-Foraschik